Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers – wirklich wahr?

Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers – wirklich wahr?

Ab und an tritt die Situation ein, bei der ein Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers anzweifelt. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Arbeitnehmer bei einer Freizeitaktivität gesehen wurde oder die Arbeitsunfähigkeit eventuell sogar im Vorfeld angekündigt wurde.

Die Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers kann manchmal das Misstrauen des Arbeitgebers nach sich ziehen – vor allem dann, wenn sich der Arbeitnehmer häufiger krank meldet. Hinzu kommt, dass dem Arbeitgeber die Erkrankung des Mitarbeiters und dadurch die daraus entstehende Einschränkung des Mitarbeiters nicht bekannt sind, so dass es hier auch zu Zweifeln kommen kann.

Und so manche Aktivität des Arbeitnehmers, beispielsweise in der Freizeit, kann in Einzelfällen ebenfalls zu einem Missverständnis führen. Als Arbeitgeber sollte man diese Missverständnisse aus dem Weg räumen und klären, wobei die Vorgehensweise dabei abzuwägen ist.

Ein ganz sensibles Thema, das sich auf die Arbeitsatmosphäre und das Arbeitsverhältnis auswirken kann.

Der Arbeitgeber in der Beweislast

Hat ein Arbeitgeber Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit seines Arbeitnehmers, muss der Arbeitgeber den Beweis erbringen. Dabei hat der Arbeitgeber in puncto Nachforschungen nur begrenzte Möglichkeiten. Nachforschungen beschränken sich auf die allgemein zulässigen Maßnahmen, das heißt, bei Nachforschungen durch einen Privatdetektiv darf die Observation nicht in die privaten Rechte des Arbeitnehmers eingreifen.

Stellungnahme durch den Medizinischen Dienst

Besteht keine andere Möglichkeit, die Zweifel des Arbeitgebers anderweitig aus der Welt zu schaffen, kann dieser bei der Krankenkasse verlangen, dass eine gutachtliche Stellungnahme durch den Medizinischen Dienst eingeholt wird. Mit dieser Stellungnahme kann der Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wiederlegt werden.

Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit – Gründe

Gründe für Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers liegen vor, wenn sich der Arbeitnehmer

  • oft nach dem Wochenende oder einem Feiertag krank meldet oder
  • auffällig häufig und stets nur kurz krank ist.

In solchen Fällen sind die Krankenkassen verpflichtet, den Medizinischen Dienst einzuschalten und die Gegebenheiten prüfen zu lassen. Dies muss auch dann durchgeführt werden, wenn dies zur Beseitigung von Zweifeln an der Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers dient.

Attestiert ein Arzt einem Arbeitnehmer häufig, dass dieser arbeitsunfähig ist, kann auch der behandelnde Arzt „begutachtet“ werden. Als Ursache für die Begutachtung kann beispielsweise ein Fehlverhalten des Arbeitnehmers, die Ankündigung der Arbeitsunfähigkeit oder eine Krankmeldung nach betrieblichen Differenzen sein.

Schlüssig und konkret

Äußert ein Arbeitgeber gegenüber der Krankenkasse Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit seines Arbeitnehmers, müssen diese schlüssig und konkret dargelegt werden. Die Krankenkasse kann die Zweifel des Arbeitgebers nicht ignorieren, kann aber – wenn die Arbeitsunfähigkeit aus bisherigen, vorliegenden Diagnosen nachvollzogen werden kann – von der Vorlage absehen.

Ergebnis und Konsequenzen

Kommt der Gutachter zu einer abweichenden Beurteilung, wird dieses Ergebnis dem behandelnden Arzt und der Krankenkasse mitgeteilt. Im Falle, dass der Arzt seine Einschätzung nicht begründen kann, gibt die Krankenkasse die Information an den Arbeitgeber weiter, ob und wann eine Arbeitsunfähigkeit durch den Medizinischen Dienst bestätigt wurde. Mit dieser Information kann der Arbeiter unter Umständen arbeitsrechtliche Konsequenzen ableiten und damit den Gegenbeweis führen.

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