Berechnung des Mutterschaftsgeldes – Wissenswertes für Unternehmer

Berechnung Mutterschaftsgeld

Mutterschutz ist ein den meisten Menschen vertrauter Begriff. Allerdings, so einfach er auch klingen mag, so schwer lässt sich das Dahinterstehende konkret beschreiben. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmer ist es nicht so einfach ersichtlich, was auf sie zukommt, wenn eine Mitarbeiterin mit der Ankündigung, Mutter zu werden,  bzw. schwanger zu sein im Büro des/der Personalverantwortlichen auftaucht. Auch die Berechnung des Mutterschaftsgeldes bei Frühgeburten, Tariferhöhungen oder Kurzarbeit werfen immer wieder neue Fragen auf!

Wann und wem wird das Mutterschaftsgeld gezahlt?

Das Mutterschaftsgeld wird in der Zeit des Mutterschutzes gewährt. Es soll den Verdienstausfall auffangen, der in der Zeit entsteht, in der die Arbeitnehmerin nicht beschäftigt werden darf. Sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und acht Wochen nach der Entbindung ist die so genannte Mutterschutzfrist. Bei Mehrlingsgeburten sind es zwölf Wochen nach der Geburt, bei einer Frühgeburt wird die Frist bis zum errechneten Termin verlängert.
Mit dem Rechner der DAK unter http://www.dak.de/dak/arbeitgeber/Gehalts-_und_Fristenrechner-1076322.html kann man die Zeiten genau berechnen.

Das Mutterschaftsgeld wird allen Angestellten (Mitgliedern einer gesetzlichen Krankenkasse)  gezahlt. Frauen, die nicht Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sind, erhalten auf Antrag das Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt, höchstens jedoch 210 Euro monatlich.

Keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld besteht bei Hausfrauen, Beamtinnen, Selbstständigen sowie Frauen, die noch vor Beginn der Mutterschutzfrist ihr Arbeitsverhältnis beendet haben. Diese müssen sich nach den Bedingungen Ihres Versicherungsanbieters informieren.

Wie hoch ist das Mutterschaftsgeld?

Das Mutterschaftsgeld wird in Höhe von maximal 13 Euro pro Kalendertag gezahlt – für mindestens 99 Kalendertage. Also hat ein Monat 20 Arbeitstage zahlt die Krankenkasse für diese 20 Tage je Tag maximal 13 Euro. Das Mutterschaftsgeld ist steuer- und beitragsfrei.
Zur Zahlung des Mutterschaftsgeldes muss der Krankenkasse ein vollständig ausgefülltes Formular mit Angabe des voraussichtlichen Geburtstermins sieben Wochen vor der Geburt zugehen. Von der Krankenkasse bekommt dann auch der Arbeitgeber einen Bescheid über die Zahlung des Mutterschaftsgeldes, so dass er selbst die Berechnung für die Aufstockung des Betrages vornehmen kann.

Wie berechnet sich der Zuschuss zum Mutterschaftsgeld vom Arbeitgeber?

Übersteigt das durchschnittliche kalendertägliche Nettoentgelt der letzten 3 Monate (vor Beginn der Schutzfrist) die 13 Euro, muss der Arbeitgeber einen Zuschuss zum Mutterschaftsgeld zahlen. Somit ist der Zuschuss die Differenz aus den 13 Euro und dem durchschnittlich kalendertäglichen Nettoentgelt. D.h. während der Mutterschutzfrist treten keinen finanziellen Einbußen ein.

Bei der Berechnung des Zuschusses zum Mutterschaftsgeld müssen eventuelle Erhöhungen des Gehaltes z.B. Tariferhöhungen mit einbezogen werden und zwar ab dem Zeitpunkt der Wirksamkeit der Erhöhung.

Außerdem müssen Leistungen für Mehrarbeit und Sonderzahlungen einberechnet werden. Aber Gehaltsminderungen z.B. verursacht durch Kurzarbeit oder Arbeitsausfällen  dürfen nicht mit in die Berechnung einfließen, genauso wie einmalige Leistungen.

Wenn die Schwangere einer vergüteten Nebentätigkeit nachgeht, so müssen auch diese Bezüge in die Berechnung des Mutterschaftsgeldes mit einfließen. Allerdings müssen die Bezüge in ein angemessenes Verhältnis zueinander gesetzt werden. Das heißt, die Arbeitgeber teilen sich praktisch die Zuschüsse für die Schwangere, wobei eben die jeweiligen Nettoeinkommen die Grundlage bilden. Darauf aufbauend werden die Zuschüsse pro Arbeitgeber festgelegt.

Da – wie sehr gut an Hand dieser Ausführung zu erkennen – einige Faktoren bei der Berechnung eine Rolle spielen und somit die Höhe von Fall zu Fall variieren kann, ist es umso wichtiger, einen kompetenten Experten mit der Berechnung zu beauftragen oder aber zu kontaktieren.

Bei Fragen z.B. zur Berechnung des Arbeitgeberzuschusses zum Mutterschaftsgeld kann man sich direkt an das Bundesversicherungsamt mit der dort zuständigen Mutterschaftsgeldstelle über die telefonische Hotline oder die Website https://www.mutterschaftsgeld.de/ wenden.

Mutterschutzgesetz: http://www.gesetze-im-internet.de/muschg/

Mutterschaftsgeldrechner im Netz: http://www.forium.de/mutterschaftsgeld/input

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17 Kommentare

  • Hallo, meine Tochter ist seit 11.10.2015 im Mutterschutz. Hat jetzt ihren Lohnschein bekommen und es wurden vom 1.-10.10. nur für 9 SV-Tage Gehalt gezahlt. Wir sind der Meinung, dass das nicht korrekt ist.
    Der AG rechnet so 1700/30 SV-Tage * 21 Mutterschutz = 1190,00 -1700 = 510,00
    aber müsste es nicht so sein: 1700/30*10= 566,67

    Vielen Dank für eine Antwort

    • Guten Tag,

      der Arbeitgeber Ihrer Tochter berechnet das anteilige Gehalt nach Arbeitstagen. Dies ist legitim. Es gibt keine gesetzliche Regelung, die eine Berechnung nach SV-Tagen oder Arbeitstagen vorschreibt. Gängige Praxis ist sogar, die Berechnung nach Arbeitstagen.

      Mit besten Grüßen

      Team lohndirekt

  • Vielen Dank für den Hinweis!
    Wir haben den Link entsprechend aktualisiert.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Ihr lohndirekt-Team

  • Sofern ich die Berechnung des Zuschusses zum Mutterschaftsgeldes richtig verstanden habe, berechnet es sich aus den Nettoeinkünften. Bedeutet dies, dass die werdende Mutter im Ergebnis schlechter behandelt wird, wenn sie die Steuerklasse 5 hat? Sollten werdende Eltern also spätestens 3 Monate vor dem Mutterschutz die Steuerklassen wechseln oder wird das ganze im Rahmen der Einkommensteuererklärung wieder angeglichen?

    Vielen Dank

    • Guten Tag,

      die werdende Mutter stellt sich besser, wenn Sie vorher auf die LSt-Klasse 3 wechselt. Dabei muss allerdings auch immer bedacht werden, dass es sich bei dem Zuschuss von Mutterschaftsgeld um Lohnersatzleistungen handelt –> Progressionsvorbehalt (d.h. indirekte Steuerberechnung (wirkt sich auf den Steuersatz aus)). D.h. erhält die Mutter mehr Zuschuss muss sie auch indirekt mehr Steuern zahlen.

      Eine Angleichung findet in der Einkommensteuererklärung nur für die steuerpflichtigen Bezüge (zu diesen gehört nicht der Zuschuss (siehe oben)) statt.

      Mit freundlichen Grüßen

      Team lohndirekt

  • Wie verhält es sich mit angesammelten Überstunden? Ich habe noch 90Überstunden auf dem zeitkonto..und gehein nichtmal einem monat in mutterschutz. Möchte mir diese seit monaten schon ausbezahlen lassen aber ständig wird es vergessen oder nur zb 24 std ausgezahlt..was kann och da tun? An wen wende ich mich?

  • Hallo!
    Wir bekommen im Juli noch Urlaubsgeld! Auch wenn man sich im Mutterschutz befindet (seit 26.06.16) hat man doch noch Anspruch darauf oder? Und wie wirkt es sich nun auf das Mutterschaftsgeld bzw Zuschuss zum Mutterschaftsgeld aus?

    Lg

    • Guten Tag,

      auch werdende Mütter oder Wöchnerinnen erhalten Urlaubsgeld, wenn es mit dem Arbeitgeber vertraglich vereinbart ist. Es kann aber sein, dass es während der Elternzeit anteilig gekürzt wird. Auch dies Bedarf einer Vereinbarung.

      Der kalendertägliche Zuschuss zum Mutterschaftsgeld wird um die täglichen bis zu 13,00 € Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse gekürzt. Das Mutterschaftsgeld hängt nicht vom Urlaubsgeld ab, das Urlaubsgeld beeinflusst weder die Höhe des Mutterschaftsgelds noch den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld.

      Mit freundlichen Grüßen

      Team lohndirekt

      Zur Information:
      Die vorgenannten Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Anwendbarkeit sowie Aktualität und ersetzen somit keine steuer-, wirtschafts- oder fachrechtliche Beurteilung.
      Wir interpretieren die Sachverhalte auf Basis vorliegender Informationen / Ihrer Fragestellung. Für etwaige fehlerhafte und/oder unvollständige und/oder zwischenzeitlich geänderte Darstellung / Anwendbarkeit von Sachverhalten wird keine Haftung übernommen. Daher sind alle Angaben ohne Gewähr.

  • Hallo Herr Graddatz,

    ich hätte sehr gerne eine Frage an Sie gestellt:

    Sie schreiben: „Übersteigt das durchschnittliche kalendertägliche Nettoentgelt der letzten 3 Monate (vor Beginn der Schutzfrist) die 13 Euro (…)“

    Wie genau definieren sich die 3 Monate?

    Sind es Kalendermonate und die letzten drei Lohnabrechnungen gelten? Oder sind es „Zeitmonate“ und es wird ein durchnittliches tägliches Nettoentgelt ermittelt und dieses mit 30 multipliziert (o.ä.)?

    Vielen Dank im Voraus!

    • Guten Tag,

      die Grundlagen der Berechnung finden Sie im Mutterschutzgesetz. Hier heißte es in:

      § 11 Arbeitsentgelt bei Beschäftigungsverboten

      “vom Arbeitgeber mindestens der Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen oder der letzten drei Monate vor Beginn des Monats, in dem die Schwangerschaft eingetreten ist, weiter zu gewähren, …“

      “Wird das Arbeitsverhältnis erst nach Eintritt der Schwangerschaft begonnen, so ist der Durchschnittsverdienst aus dem Arbeitsentgelt der ersten 13 Wochen oder drei Monate der Beschäftigung zu berechnen. Hat das Arbeitsverhältnis nach Satz 1 oder 3 kürzer gedauert, so ist der kürzere Zeitraum der Berechnung zugrunde zu legen. Zeiten, in denen kein Arbeitsentgelt erzielt wurde, bleiben außer Betracht….“

      Mit besten Grüßen

      Team lohndirekt

      Zur Information:
      Die vorgenannten Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Anwendbarkeit sowie Aktualität und ersetzen somit keine steuer-, wirtschafts- oder fachrechtliche Beurteilung.
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  • Hallo Herr Graddatz,

    ich habe eine Frage. Ich bin Vollzeit Tätig und haben nebenbei noch einen 450,00 € Job.
    Wird dieser beim Mutterschutzgeld auch mit berücksichtigt oder fällt dieser komplett raus?

    Vielen Dank im Voraus.

    Viele Grüße

    • Hallo Jenny,

      es wird ein Mutterschutzgeld von 13,00 € am Tag von der Krankenkasse gezahlt. Die Differenz zum Bisherigen Netto muss der Arbeitgeber ausgleichen. Jede Firma ist gesetzlich verpflichtet die U2- Umlage im Zuge der monatlichen Lohnabrechnung (auch bei Minijobbern) an die Sozialversicherungsträger zu entrichten. Über die U2-Umlage erhält jedes Unternehmen bei Schwangerschaft einer Mitarbeiterin eine Ausgleichsabgabe.

      Sie haben in der Hauptbeschäftigung und auch im Minijob einen gesetzlichen Anspruch auf Mutterschutzgeld, welches sich anhand Ihres letzten Nettoeinkommens (Hauptbeschäftigung + Nebenbeschäftigung) bemisst. Haupt- und Nebenarbeitgeber müssen sich die Ausgleichsabgabe teilen.
      Sie sind gesetzlich verpflichtet Ihrem Hauptarbeitgeber jeden Minijob anzuzeigen, der diesem auch widersprechen kann.

      Mit besten Grüßen

      Team lohndirekt

  • Hallo,
    ich würde Ihnen auch gern eine Frage stellen. Ich bin privat versichert und bekomme daher kein Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse. Nun hat mir mein Arbeitgeber ca. 600 Euro weniger Mutterschaftsgeldersatz gezahlt als mein bisheriger Nettoverdienst. Eigentlich dürften es doch aber nur 260 Euro (13Euro x 20 Arbeitstage) weniger sein, oder?

    Vielen Dank im Voraus!

    • Hallo Claudia,

      privat versicherte Arbeitnehmerinnen erhalten für die Zeit der Schutzfristen einen Zuschuss zum Mutterschaftsgeld in Höhe ihres bisherigen kalendertäglichen Nettoeinkommens abzüglich 13,00 €.

      — kalendertägliches Nettoeinkommen als Durchschnitt der letzten drei Monate – 13 € = täglicher Zuschuss Mutterschaftsgeld —

      Diesen Zuschuss können sie bei der Bundesversicherungsanstalt beantragen.

      Mit besten Grüßen

      Team lohndirekt

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