Duales Studium und die Sozialversicherung – Arbeitgeber sollten genau hinschauen!

Duales Studium und die Sozialversicherung - Arbeitgeber sollten genau hinschauen!

Duale Studiengänge liegen im Trend. Für Arbeitgeber und Studierende haben sie verschiedene Vorteile. Der Studierende erwirbt regelmäßig in der klassischen Form des dualen Studiums neben dem Abschluss in der Berufsausbildung einen Studienabschluss. Das Unternehmen bildet für sich akademische Praktiker aus, die sich in der Berufspraxis und in dem Betrieb leichter zurechtfinden als fremde Studienabgänger einer anonymen Hochschule. Absolventen von dualen Studiengängen profitieren außerdem häufig davon, dass sie eine Vergütung erhalten. Das Unternehmen kann zusätzlich einen Teil oder die gesamten Studiengebühren übernehmen.

Duales Studium – ein sozialversicherungsrechtliches Problemfeld

Wie üblich, wenn zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern Gelder fließen, ergeben sich sozialversicherungsrechtliche und lohnsteuerrechtliche Fragen. Lange Zeit hat man sich etwa nicht einig darüber werden können, ob Studierende in dualen Studiengängen während der Praktikumsphase sozialversicherungspflichtig sind. Diese Frage hat der Gesetzgeber inzwischen weitestgehend geregelt. Der Themenbereich duales Studium Sozialversicherung hat dennoch für den Arbeitgeber auch aktuell abgabenrechtliche Tücken zu bieten. Es lohnt sich deshalb für ihn, die verschiedenen Gestaltungsformen dualer Studiengänge und ihre Unterschiede zu kennen.

Duales Studium Sozialversicherung – jeder Studierende wird sozialversicherungspflichtig

Das Thema duales Studium Sozialversicherung ist komplex, weil es das eine duale Studium nicht gibt. Vielmehr sprechen wir von verschiedenen Grundformen mit unterschiedlichen rechtlichen und faktischen Rahmenbedingungen. In einigen Formen des dualen Studiums sind Unternehmen und Studienträger zeitlich sowie inhaltlich besonders eng verwoben. Das ist der Fall, wenn der Erstausbildungscharakter des dualen Studiums überwiegt. In anderen Varianten bleiben Unternehmen und Studienträger autonom, weil es sich um eine Weiterbildung für den bereits berufstätigen, ausgebildeten Arbeitnehmer handelt. Diese Initiative zur Weiterbildung kann der Arbeitgeber in verschiedener Weise fördern, zum Beispiel, indem er einen Teil der Studiengebühren übernimmt. Duales Studium Sozialversicherung kann im Zusammenhang mit übernommenen Kosten einen zu beachtenden Faktor darstellen.

Die Materie duales Studium Sozialversicherung warf früher auch für den Studierenden selbst Fragen zu seiner sozialversicherungsrechtlichen Behandlung auf. Dieses Problem ist seit der 4. Novelle zur Änderung des 4. Sozialgesetzbuches im Jahr 2012 gelöst: Grundsätzlich gelten Studierende in allen Formen des dualen Studiums während der Studien- und Praxisphasen als sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Ist die Thematik duales Studium Sozialversicherung damit erledigt? Nicht ganz. Sie taucht an anderer Stelle wieder auf.

Duale Studiengänge – Formen des Studiums

Grundsätzlich werden unterschieden:

1. Ausbildungsintegrierende duale Studiengänge

Hier werden ein Studium mit Bachelor-Abschluss und eine betriebliche Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf kombiniert. Die Ausbildung endet mit einem IHK/HWK-Abschluss, respektive mit einem fachschulischen Abschluss. Bei dieser Form des dualen Studiums steht die berufliche Erstausbildung im Mittelpunkt. Die zeitliche sowie inhaltliche Verzahnung von Studium und Ausbildung dominiert. Voraussetzungen sind daher im Regelfall die allgemeine Hochschul- oder die Fachhochschulreife sowie zusätzlich ein Ausbildungsvertrag zwischen einem Ausbildungsbetrieb und dem Studenten. Der Studierende absolviert die Ausbildung tageweise oder in zeitlichen Blöcken im Ausbildungsunternehmen mit gestrafftem Berufsschulunterricht.
Der Azubi-Student erhält während der gesamten Zeit eine Ausbildungsvergütung und wird folglich in der Lohnabrechnung wie ein Auszubildender behandelt.

2. Praxisintegrierende duale Studiengänge

Hier verbindet sich ein Bachelor-Studium mit integrierten Praxisphasen im Betrieb. Der Schwerpunkt eines solchen dualen Studiums liegt darin, dass die Verbindung zwischen Studium und Praxis sehr eng ist. Im Vergleich zum typischen Betriebspraktikum sind die Praxisphasen zeitlich und inhaltlich sehr viel intensiver gestaltet. Außerdem werden studienrelevante Inhalte auch während der betrieblichen Praktika vermittelt und fließen in die Leistungsbewertung des Studienganges ein. Bei dieser Variante gilt ebenfalls als Zugangsvoraussetzung regelmäßig die allgemeine Hochschul- oder die Fachhochschulreife. Daneben wird ein Vertragsverhältnis zwischen Unternehmen und Studierenden benötigt. In Frage kommen ein Arbeitsvertrag, ein Volontariats- oder ein Praktikantenverhältnis sowie Verträge eigener Art, die auch schon einmal einfach als Studienvertrag bezeichnet werden. Der Studiengang wird mit Teilzeitpraxis im Unternehmen, beziehungsweise mit langen Praxisphasen ohne Studium ergänzt. Unter Umständen kann bei einigen Studiengängen zusätzlich der „Meister“ erworben werden. Das Thema duales Studium Sozialversicherung hat hier etwas an Spannung verloren. Früher war die sozialversicherungsrechtliche Behandlung rund um Werkstudenten und ähnliche Vertragsformen eine oftmals sehr kontroverse. Nach aktueller Gesetzeslage gilt der Studierende auch bei dieser Studienvariante grundsätzlich als sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter, der einem Auszubildenden gleichgestellt ist.
Bei den praxisintegrierenden dualen Studiengängen steht ebenfalls in aller Regel eine Form von Erstausbildung im Fokus, die in diesem Fall ein besonders praxistaugliches Studium ist.

3. Berufsintegrierende und berufsbegleitende duale Studiengänge

Diese Formen des dualen Studiums haben ihren Schwerpunkt in der beruflichen Weiterbildung. Der Studierende hat bereits eine Erstausbildung/ ein Studium erfolgreich abgeschlossen und ist beruflich engagiert. Neben seiner jetzigen beruflichen Tätigkeit wählt er einen weiterbildenden Studiengang aus, der inhaltlich mit seiner beruflichen Tätigkeit verbunden ist. Das Unternehmen schafft meist zusammen mit dem Studierenden in Absprache die organisatorischen und zeitlichen Voraussetzungen für die Teilnahme an einem solchen dualen Studium, besonders in der berufsintegrierenden Form. Allerdings können solche weiterbildenden Studiengänge auch zeitlich relativ unabhängig von der beruflichen Tätigkeit als Fern- und Abendstudien absolviert werden. Der Themenkomplex duales Studium Sozialversicherung spielt an dieser Stelle lediglich im Zusammenhang mit einer möglichen Kostenübernahme der Studiengebühren durch das Unternehmen eine Rolle. Der Studierende ist während seiner Weiterbildung in aller Regel ein normaler sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer.

Lesen Sie gern unseren zweiten Artikel zum Thema mit dem Titel – DUALES STUDIUM UND DIE SOZIALVERSICHERUNG – KOSTENÜBERNAHMEN BEI STUDIENGEBÜHREN!

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