Flexi-Rente verändert starre Hinzuverdienstgrenzen

Flexi-Rente verändert starre Hinzuverdienstgrenzen

Die Pläne der Koalition bzgl. Renten- Hinzuverdienstgrenzen sollen nun Gesetz werden, kündigten der CDU-Sozialpolitiker Karl Schiewerling und der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Max Straubinger, am 11.05.2016 an.

Für Versicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung:

Bisher können alle, die eine vorgezogene Rente erhalten (z.B. Rente für langjährig Versicherte, für besonders langjährig Versicherte, für schwerbehinderte Menschen) nur € 450,00 brutto im Monat als Angestellte dazuverdienen, ohne dass ihnen ein Teil der Rente „weggenommen“ wird. Die 450-Euro-Grenze darf 2 x im Jahr überschritten werden (zum Beispiel durch Überstunden, Weihnachtsgeld etc.). Die Hinzuverdienstgrenze von € 450,00 gilt auch für Selbstständige (es gilt der Gewinn). Wird diese Grenze überschritten (auch nur um € 1,00), so wird die Rente für diesen Monat um mindestens ein Drittel gekürzt. Doch damit nicht genug, es existieren weitere Grenzen, die bei einem Überschreiten nochmals jeweils ein Drittel Kürzung verursachen, bis schließlich die Rente ganz „ausfällt“.

Beispiele:

Sie verdienen in einem Angestelltenverhältnis € 450,00 = von Ihrer Rente wird nichts abgezogen.

Sie verdienen in einem Angestelltenverhältnis € 460,00 = Ihre Rente wird zu einem Drittel gekürzt. Hintergrund ist, dass die Hinzuverdienstgrenze (im Jahre 2016) € 566,48 brutto in den alten Bundesländern und in den neuen Bundesländern € 524,59 brutto beträgt. Wenn Ihr Hinzuverdienst also zwischen € 450,00 und den eben genannten Summen, je nach Bundesland, beträgt, wird Ihre laufende Rente zu einem Drittel gekürzt. Die Rente wird gleich um die Hälfte gekürzt bei einem Hinzuverdienst von € 827,93 (alte Bundesländer) und € 766,70 (neue Bundesländer). Sie erhalten nur noch 1/3 Ihrer Rente bei einem Hinzuverdienst von € 1.089,30 (alte Bundesländer) und € 1.008,82 (neue Bundesländer).

Erhöhung der Hinzuverdienstgrenzen:

Es handelt sich hierbei um Mindesthinzuverdienstgrenzen. Verdienten Sie aber mehr als der „Durchschnitt“ (für 2016 wären das € 36.267,00/Jahr) erhöhen sich die Hinzuverdienstgrenzen = schauen Sie hierzu einmal in Ihren Rentenbescheid. In den meisten Fällen hat die Deutsche Rentenversicherung diese für Sie geltenden Hinzuverdienstgrenzen aufgeführt. Gerechnet werden die individuellen Grenzen, in dem die monatliche Bezugsgröße mit Ihren Entgeltpunkten aus den letzten drei Jahren vor Rentenbeginn multipliziert wird, das Produkt hieraus wiederum mit einem Faktor entsprechend der anteiligen Rente.

Mögliche Änderungen für die Versicherten

Die Prüfung und Einhaltung dieser komplizierten Berechnungen hat jetzt (endlich) dazu geführt, dass es einfacher werden soll.

Zukünftig soll es keine Stufen mehr geben (1/3-, 1/2 bzw. 2/3-Rente) und auch keine Monatsbetrachtung (bisher wurde  jeder Monat einzeln geprüft, ob eventuell die Hinzuverdienstgrenzen überschritten wurden).

Geplant ist eine Jahresdurchschnittsbetrachtung. Die Hinzuverdienste werden in einem Jahr addiert und einer Jahres-Höchstgrenze gegenüber gestellt. Die Jahres-Höchstgrenze für den Hinzuverdienst soll das vorherige Bruttogehalt (das Kalenderjahr mit dem höchsten Einkommen zählt, max. wird bis zu 15 Jahren rückwärts geschaut) sein. Aus dieser individuellen Höchstgrenze sollen 40 % auf die Rente angerechnet werden. Wird die Höchstgrenze überschritten, wird der Hinzuverdienst vollständig auf die Rente angerechnet.

Diese Höchstgrenzen sollen zukünftig auch für Erwerbsminderungsrenten und alle vorgezogenen Altersrenten gelten.

Die vorzeitigen Renten haben noch einen Nachteil: sie sind mit Abschlägen belegt. Das heißt, geht Mann / Frau früher in Rente, wird die Rente gekürzt. Die Abschläge betragen 0,3 Prozent pro Monat der früheren Inanspruchnahme. Auch heute ist es schon möglich, diese Abschläge „auszugleichen“, also durch zusätzliche Beitragszahlungen oder Einzahlungen ab dem 55. Lebensjahr. Da es sich hierbei in den meisten Fällen um hohe Beträge handelt (über € 20.000 sind die Regel), soll es bereits ab dem Alter von 50 Jahren möglich sein, diese Beträge einzuzahlen. Vorteil ist, dass diese Abschläge „stückchenweise“ eingezahlt werden können, so dass jedes Jahr eine für den Versicherten machbare Summe aufgebracht werden kann. Die Einzahlungen müssen, wie auch schon heute, spätestens bis zum Beginn der Altersrente geleistet werden. Vorteil: Wird die Rente doch nicht früher in Anspruch genommen, erhöhen die Einzahlungen die (dann abschlagsfreie) Rente.

Mögliche Änderungen für den Arbeitgeber

Bezieher einer Vollrente sind bei einer Weiterbeschäftigung nicht versicherungspflichtig in der Rentenversicherung. Handelt es sich um eine vorgezogene Altersrente und wird diese Rente nur noch als Teilrente gezahlt (weil die Hinzuverdienstgrenze überschritten wurde) ist der Rentner versicherungspflichtig in der Rentenversicherung.

Der Arbeitgeber hat – auch wenn Versicherungsfreiheit vorliegt – seinen Beitrag zur Rentenversicherung zu leisten. Der Rentner hat keinen Vorteil aus den Zahlungen des Arbeitgebers.

Neu soll sein, dass die Beiträge des Arbeitgebers auch die Rente des Arbeitnehmer-Rentners erhöht, allerdings nur, wenn auch der Arbeitnehmer seinen Beitragsanteil leistet.

Arbeitgeber zahlen auch Beiträge in die Arbeitslosenversicherung, ohne, dass der Altersrentner in der Regelaltersrente daraus einen Nutzen hätte. Dieser Beitrag soll befristet für fünf Jahre entfallen.

InBeRe - Institut für Betriebswirtschaft und RentenberatungDieser Gastbeitrag wurde von Frau Petra Schewe erstellt. Als Dipl.-Betriebsw. und Rentenberaterin, mit mehr als 25 Jahren praktische Tätigkeiten im Personalmanagement, Lohn und Gehalt, Sozialversicherungsrecht (z.B. Renten-, Krankenversicherung, Statusverfahren) ist Frau Petra Schewe aktuell in der  Beratung, als Dozentin und Autorin tätig.

 

Quelle des Textes: von Petra Schewe

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