Gleitzonenregelung in der Lohnabrechnung

Gleitzonenregelung in der Lohnabrechnung

Mit der Einführung der so genannten Minijobs, umgangssprachlich auch 450-Euro-Jobs genannt, ging auch eine neue Gruppe der Beschäftigten einher: die Midi-Jobber. Korrekt bezeichnet handelt es sich hierbei um Angestellte, die der Gleitzonenregelung unterliegen. Für Arbeitnehmer wie auch für Arbeitgeber bietet eine Anstellung in der Gleitzone durchaus ihre Vorteile, wobei gerade von Arbeitgebern einiges zu beachten ist.

Was genau ist die Gleitzone?

Die Gleitzone setzt an der Lohngrenze an, an der der Minijob endet: Beschäftigte, deren Entgeltbereich zwischen 450,01 Euro und 850,00 Euro liegt, unterliegen der Gleitzonenregelung. Im Gegensatz zu der geringfügigen Beschäftigung genießt der Arbeitnehmer hier vollen Sozialversicherungsschutz, zahlt jedoch gegenüber der vollwertigen Beschäftigung verminderte Beiträge, während für den Arbeitgeber der jeweils volle Arbeitgeberanteil an die Sozialversicherung anfällt. Dennoch ist die Gleitzone auch eine für Arbeitgeber nicht uninteressante Variante.

Mini oder Midi – das gilt es zu beachten

Auch wenn der Arbeitgeber nicht wie der Beschäftigte selbst geminderte Beiträge zur Sozialversicherung zahlt, kann er durch eine Anstellung in der Gleitzone einiges sparen, da die Sozialabgaben je nach Einkommen deutlich geringer ausfallen als beim Minijobber. Tatsächlich zahlt der Arbeitgeber rund 10% weniger Sozialabgaben als bei einem Minijobber.

Dem gegenüber steht jedoch ein deutlich höherer Verwaltungsaufwand. Gerade weil die Gleitzonenreglung für die Lohnabrechnung recht umfangreich ist und auch spezifische Kenntnisse in den Abrechnungsmodalitäten der Gleitzonenregelung nötig sind, schrecken viele Arbeitgeber vor der Variante Gleitzone zurück.

Dennoch kann gerade bei Angestellten, deren Entgelt nur wenige Euro über der Minijob-Grenze liegen, die Einführung einer Beschäftigung auf Gleitzonenbasis lohnend sein. Bei Beginn der Beschäftigung sind alle für das kommende Jahr zu erwartenden Einnahmen zu addieren und durch 12 zu teilen. Auch Nebenverdienste sind bei dieser Berechnung zu berücksichtigen, da hier das Gesamteinkommen des Angestellten maßgeblich ist. Wird auf diese Weise ein Vorliegen eines Midijobs festgestellt, ist durch den Arbeitgeber entsprechende Meldung an die zuständige Kasse zu machen.

Dabei gilt: Für Midijobber müssen Arbeitgeber die gleichen DEÜV-Meldungen abgeben wie für Beschäftigte außerhalb der Gleitzone. Der Unterschied liegt jedoch in der Entgeltmeldung. Hier ist die Gleitzone entsprechend zu melden.

Achtung: Ausnahmen stellen Auszubildende und Mitarbeiter, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren, dar. Für sie gilt unabhängig von der Höhe des Einkommens die Gleitzone nicht.

Praktische Hinweise für Arbeitgeber

Arbeitnehmer in der Gleitzone zahlen verminderte Arbeitnehmeranteile an der Sozialversicherung. Dieser Beitragssatz steigt je nach Einkommen zwischen 450,01 Euro und 850,00 Euro an. Zur Berechnung der jeweiligen Beiträge ist eine durch den Gesetzgeber festgelegte Formel anzuwenden, bei der ein fiktives Arbeitsengelt zur Grundlage berechnet wird. Wichtiger Faktor dieser Formel ist der so genannte Faktor F, welcher sich aus der Summe der Pauschalabgaben bei geringfügig entlohnter Beschäftigung geteilt durch den Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz ergibt und jährlich vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales bekanntgegeben wird. Maßgebliche gesetzliche Grundlage ist hierbei § 163 Abs. 10 SGB VI. So beträgt der Faktor F für das Jahr 2015 0,7585.

Was tun, wenn mehrere Beschäftigungsverhältnisse vorliegen?

Ergibt sich die Gleitzone aus mehreren geringfügigen Beschäftigungen des Arbeitnehmers bei unterschiedlichen Arbeitgebern, ist auch hierfür eine klare Regelung vorgesehen. Der jeweilige Arbeitgeber meldet der GKV die Höhe des von ihm gezahlten Entgelts an. Die Krankenkasse erhält somit alle Meldungen sämtlicher Arbeitgeber und teilt diesen dann wiederum die Höhe des Gesamtentgelts zur Berechnung des Gleitzonen-Beitragssatzes mit. Das beitragspflichtige Entgelt wird sodann entsprechend durch die vorgegebene Formel reduziert. Dieses Verfahren gewährleistet eine korrekte Abrechnung der Sozialversicherungsbeiträge. Dabei werden die Beitragssätze für jeden Versicherungszweig, also für die Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung getrennt berechnet.

Hierfür stehen dem Arbeitgeber professionelle Gleitzonenrechner zur Verfügung, um Fehler in der Abrechnung zu vermeiden.

Was gibt es hinsichtlich der Lohnsteuer zu beachten?

Im Gegensatz zu den Minijobbern sind Beschäftigte in der Gleitzone voll steuerpflichtig d.h. das Arbeitsentgelt ist entsprechend zu versteuern. Jedoch fällt nicht in allen Fällen eine Lohnsteuer an. Hierfür sind verschiedene Faktoren wie beispielsweise die Wahl der geltenden Steuerklasse entscheidend wie auch die Frage, ob die Beschäftigung haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird. Dies wird im jeweiligen Einzelfall gesondert ermittelt.

Arbeitgeber setzen auf Midijobber

Auch wenn der Verwaltungsaufwand zunächst abschreckende Wirkung hat, kann die Beschäftigung Midijobber für den Arbeitgeber entsprechend lukrativ sein. Die Voraussetzung ist allerdings, dass durch den erhöhten Verwaltungsbedarf keine kostbaren Ressourcen aufgewendet werden. Das Einsetzen einer professionellen Dienstleisters in der Lohnabrechnung wie beispielsweise lohndirekt hilft, den Verwaltungsaufwand deutlich zu reduzieren, Fehler zu vermeiden und gleichzeitig von der Gleitzonenregelung zu profitieren.

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