Künstlersozialabgabe: Was Unternehmer jetzt zur Künstlersozialkasse wissen sollten

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Spätestens seit die Bundesregierung Mitte 2014 entschied, dass die Prüfung der korrekten Abfuhr der Künstlersozialabgabe durch die Rentenversicherung Bund ausgeweitet werden sollte, rückt die Künstlersozialkasse immer mehr in den Betrachtungswinkel vieler Unternehmen. Allerdings wissen nur wenige auf Anhieb genau, was es mit der Künstlersozialabgabe eigentlich auf sich hat.

Die Künstlersozialkasse: Ein Überblick

Die Künstlersozialkasse dient der Umsetzung des Künstlersozialversicherungsgesetzes (KSVG). Sie soll dafür sorgen, dass Künstler und Publizisten in der Sozialversicherung ähnlich abgesichert sind wie Arbeitnehmer. Obwohl sie selbstständig arbeiten, erhalten sie von der Künstlersozialkasse einen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent zu den Beiträgen zur Sozialversicherung (Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung). Versichert bleiben die Künstler allerdings weiterhin bei ihren bisherigen gesetzlichen Krankenkassen.

Finanziert wird diese Förderung des Beitrags zu 20 Prozent durch einen Zuschuss des Bundes und zu 30 Prozent aus der Künstlersozialabgabe. Zur Zahlung dieser Abgabe ist jedes Unternehmen verpflichtet, das Kunst und Publizistik verwertet. Da viele Unternehmen von dieser Beitragspflicht nichts wissen, musste die Künstlersozialkasse in den letzten Jahren mit immer weniger Einnahmen auskommen. Um weitere Erhöhungen der Beitragssätze zu vermeiden, sollen die Prüfungen ausgeweitet werden, um mehr Betriebe auf ihre Beitragspflicht aufmerksam zu machen.

Rechtsgrundlage für den Beitrag zur Künstlersozialkasse

Die wichtigste Rechtsgrundlage für die Entrichtung der Künstlersozialabgabe ist das Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG). Für Unternehmer relevant sind insbesondere die §§ 23 ff. KSVG:

  • § 23: Berechnung der Künstlersozialabgabe in Prozent
  • § 24: Zur Künstlersozialabgabe verpflichtete Unternehmen
  • § 25: Bemessungsgrundlage für die Abgabe
  • §§ 27 – 32: Konkretisierung der Melde- und Abgabeverfahren

Relevant ist aktuell außerdem das „Gesetz zur Stabilisierung des Künstlersozialabgabesatzes“, das am 1. Januar 2015 in Kraft getreten ist und der Künstlersozialkasse Mehreinnahmen in Höhe von 32 Mio. Euro bescheren soll. Hierfür werden die Prüfungen durch die Deutsche Rentenversicherung erheblich ausgeweitet, wobei bei Vorliegen eines speziellen Anlasses auch die Künstlersozialkasse selbst Prüfungen durchführen kann. Ziel ist es, ab 2015 alle Unternehmen, die mehr als 19 Beschäftigte aufweisen, mindestens alle vier Jahre zu prüfen. Zudem gibt es ein Prüfkontingent, durch das auch kleinere Arbeitgeber geprüft werden können.

Wer zur Abgabe an die Künstlersozialkasse verpflichtet ist

Abgabepflichtig sind grundsätzlich alle Unternehmen, die mehr als nur gelegentlich Künstler und Publizisten beauftragen und deren Leistungen verwerten. Ebenfalls stets zur Abgabe an die Künstlersozialkasse verpflichtet sind unter anderem folgende Unternehmen (§ 24 Abs. 1 KSVG):

  • Verlage, Presseagenturen, Bilderdienste
  • Theater, Orchester, Chöre
  • Theater-, Konzert- und Gastspieldirektionen
  • Rundfunk und Fernsehen
  • Hersteller von bespielten Bild- und Tonträgern
  • Galerien, Kunsthandel
  • Werbung, Öffentlichkeitsarbeit für Dritte
  • Varieté- und Zirkusunternehmen
  • Museen
  • Aus- und Fortbildungseinrichtungen für künstlerische oder publizistische Tätigkeiten

Neu ist die Einführung der so genannten Bagatellgrenze in § 24 Abs. 3 KSVG. Sie besagt, dass von einer nur gelegentlichen Beauftragung lediglich bei einer Summe von Entgelten pro Kalenderjahr von unter 450 Euro auszugehen ist. Diese Grenze bezieht sich nicht auf die einzelnen Rechnungen, sondern auf die kumulierte Summe pro Jahr.

Höhe der Künstlersozialabgabe

Die Höhe der Künstlersozialabgabe in Prozent wird jährlich durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales spätestens bis zum 30. September festgesetzt. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Höhe des Abgabesatzes von 4,0 auf 5,2 Prozent (2015) erhöht. Der konkrete Beitrag zur Künstlersozialkasse wird auf der Basis der an selbstständige Künstler und Publizisten gezahlten Entgelte berechnet (§ 25 KSVG).

In 5 Schritten zur korrekten Abgabe an die Künstlersozialkasse

Wenn Sie Ihre Abgabe an die Künstlersozialkasse bisher noch nicht abführen, sollten Sie zeitnah Ihre Beitragspflicht prüfen und Ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen. Befolgen Sie hierfür die folgenden Schritte, um auf Nummer sicher zu gehen:

Schritt 1: Abgabepflicht prüfen

Abgabepflichtig sind Sie, wenn Ihr Unternehmen unter eine der oben genannten Unternehmensgruppen fällt und für mehr als 450 Euro pro Jahr künstlerische oder publizistische Leistungen verwertet.

Schritt 2: Aufzeichnungspflicht nachkommen

In § 28 KSVG hat der Gesetzgeber Ihre Aufzeichnungs- und Vorlagepflichten festgehalten. So müssen Sie fortlaufend aufzeichnen, welche Entgelte Sie an selbstständige Künstler und Publizisten zahlen. Die Form an sich bleibt Ihnen überlassen. Allerdings müssen Ihre Unterlagen gewisse Voraussetzungen erfüllen. So muss jederzeit die Möglichkeit bestehen, die gemeldeten Werte und die Zahlungen anhand der Aufzeichnungen nachzuprüfen.

Die Vorlagepflichten gemäß § 29 KSVG umfassen nicht nur diese Aufzeichnungen, die auf Verlangen – zum Beispiel bei einer Prüfung – vorgelegt werden müssen. Zusätzlich obliegt Ihnen die Pflicht, den Prüfer bei Bedarf über alles zu informieren, was er benötigen könnte, um die Abgabepflicht sowie die Höhe Ihrer Beitragszahlungen festzustellen.

Schritt 3: Bemessungsgrundlage berechnen

Für die Berechnung der Bemessungsgrundlage müssen Sie zunächst alle Leistungen erfassen, die an Künstler oder Publizisten geflossen sind. Dabei ist es unerheblich, ob die betreffenden Künstler überhaupt selbst in der Künstlersozialkasse versichert sind. Zudem spielt es keine Rolle, ob diese vom Finanzamt als Freiberufler oder als Gewerbetreibende eingestuft wurden. Bei der Berechnung der Bemessungsgrundlage bleiben allerdings die folgenden Beträge außen vor:

  • ausgewiesene Umsatzsteuer
  • gezahlte Beträge an offene Handelsgesellschaften, Kommanditgesellschaften, urheberrechtliche Verwertungsgesellschaften, juristische Personen des privaten oder öffentlichen Rechts
  • Reisekosten sowie steuerfreie Aufwandsentschädigungen im Rahmen der steuerlichen Freigrenzen
  • Übungsleiterpauschalen

Berechnungsbeispiel:

Ein Unternehmen beauftragt einen Werbetexter mit der Erstellung einer Werbekampagne und bezahlt hierfür 20.000 Euro. Es meldet diesen Betrag an die Künstlersozialkasse. Um die Beitragshöhe zu berechnen, wird dieser Betrag nun mit dem gültigen Beitragssatz multipliziert (2015: 5,2 Prozent).

20.000 Euro x 5,2 Prozent = 1.040 Euro

Die Künstlersozialabgabe beträgt in diesem Fall 1.040 Euro. Die monatliche Vorauszahlung für das darauffolgende Jahr wird durch die Zwölftelung dieses Betrags errechnet:

1.040 Euro : 12 Monate = 86,67 Euro / Monat

Schritt 4: Meldung erstellen

Schritt 5: Abgabe an die Künstlersozialkasse pünktlich abführen

Nachzahlungen aus Vorjahren werden zum 31. März fällig. Die monatlichen Vorauszahlungen hingegen sollen jeweils zum 10. des Folgemonats auf das angegebene Konto überwiesen werden.

Tipp: Achten Sie auf pünktliche Zahlungen, da die Künstlersozialkasse bei Rückständen pro Monat Säumniszuschläge in Höhe von 1 Prozent des Rückstands erhebt.

Weiterführende Informationen zur Künstlersozialkasse

Um rund um die Künstlersozialkasse und deren Beitrag keine Fehler zu machen, sollten Sie sich mit der Materie näher auseinandersetzen. Zahlreiche Fragen beantwortet die Künstlersozialkasse auf ihrer Website. Weitere Details zur Beitragspflicht lesen Sie beispielsweise in einem PDF zum Beitragsverfahren.

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