Lohnnebenkosten und Personalzusatzkosten

Lohnnebenkosten und Personalzusatzkosten

Lohnnebenkosten sind die Kosten, die für den Arbeitgeber unabhängig vom Lohn- und Gehalt entstehen, wenn er Arbeitnehmer beschäftigt. Es besteht kein direkter Zusammenhang mit der tatsächlich geleisteten Arbeit. Im Alltagsgebrauch lassen sich die Begriffe der Personalzusatzkosten und der Lohnnebenkosten nicht klar voneinander abtrennen und werden oft für ein und dieselbe Bedeutung genutzt. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass  die Lohnnebenkosten eigentlich nur die Aufwendungen für Vorsorgeeinrichtungen und sonstige Personalzusatzkosten (Abfindungen, Kosten für Aus- und Weiterbildung) einschließen, nicht aber Sonderzahlungen, wie zum Beispiel das Weihnachts- oder Urlaubsgeld  und die Vergütung arbeitsfreier Tage.

In diesem Artikel der Serie zum Thema Lohnnebenkosten möchten wir näher auf die Aufwendungen für Vorsorgeeinrichtungen eingehen.

 

Arbeitgeberanteile für die Sozialversicherung sind die bekanntesten Lohnnebenkosten.

Aufgegliedert in Beiträge für die Rentenversicherung, die Pflegeversicherung, die Krankenversicherung und die Arbeitslosenversicherung.

Beitragssatz für die Rentenversicherung

Jeder nicht kurzfristig beschäftigte Arbeitnehmer ist in der Rentenversicherung versicherungspflichtig. Als Minijobber (€ 1,00 bis € 450,00 monatliche Vergütung) kann man sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Im Beitragssatzgesetz 2014 heißt es, dass der Beitragssatz für das Jahr 2014 in der allgemeinen Rentenversicherung bei 18,9 % liegt und in der knappschaftlichen Rentenversicherung bei  25,1 %. In der allgemeinen Rentenversicherung tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Prozentsatz je zur Hälfte, also 9,45 %. In der knappschaftlichen Rentenversicherung trägt der Arbeitnehmer 9,45 % während für den Arbeitgeber 15,65 % zu Buche schlagen.

Beitragssatz für die Krankenversicherung

§ 5 SGB V erläutert, wer in der Krankenversicherung versicherungspflichtig ist. Dazu zählen vor allem gemäß Abs. 1 Satz 1 Arbeiter, Angestellte und zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte, die Arbeitsentgelt erhalten. Versicherungsfrei sind geringfügig Beschäftigte. Der allgemeine Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung beträgt 15,5 %. Der Arbeitgeber trägt 7,3 % und der Arbeitnehmer 8,2 %.

Beitragssatz für die Pflegeversicherung

Gemäß § 20 Abs. 1 Satz 1 SGB Xl sind alle Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig sind auch in der Pflegeversicherung versicherungspflichtig. Auch Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Krankenkasse freiwillig versichert sind, sind in der Pflegeversicherung versicherungspflichtig. Geringfügig Beschäftigte sind gemäß § 7 Abs. 1 SGB V in der Krankenversicherung versicherungsfrei und somit auch in der Pflegeversicherung. Der Beitragssatz für die Pflegeversicherung beträgt 2,05 %. Auch hier tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte nämlich 1,025 %. Für Sachsen gibt es eine Besonderheit: Während der Arbeitnehmer 1,525 % zahlt, muss der Arbeitgeber nur 0,525 % zahlen. In der Pflegeversicherung ist zu beachten, dass Arbeitnehmer, die kinderlos sind, einen Beitragszuschlag von 0,25 Prozentpunkten zu leisten haben. Von diesem Beitragszuschlag ausgenommen sind Wehr- und Zivildienstleistende, kinderlose Mitglieder, die vor dem 01. Januar 1940 geboren sind, Mitglieder bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres sowie Bezieher von Arbeitslosengeld II.

Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung

Versicherungspflicht in der Arbeitslosenversicherung besteht für jeden Arbeitnehmer, außer geringfügig Beschäftigte. Die sind gemäß § 27 Abs. 2 SGB lll in der Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Der Beitragssatz für 2014 beträgt 3,0 %. Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen jeweils 1,5 %.

Die Beitragssummen für die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zusammen gerechnet, ergeben den Gesamtsozialversicherungsbeitrag. Dieser Gesamtsozialversicherungsbeitrag Link Glossar wird normalerweise je zur Hälfte vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen. Die gängigsten Ausnahmen zu dieser Regel sind:

  • Auszubildende und Praktikanten, deren monatliches Arbeitsentgelt 325,00 Euro nicht übersteigt à Der Arbeitgeber trägt den kompletten Beitrag allein.
  • Arbeitnehmer mit Kurzarbeitergeld à Auch hier trägt der Arbeitgeber den gesamten Beitrag allein, allerdings muss kein Beitrag zur Arbeitslosenversicherung geleistet werden.
  • Altersrentner à Der Arbeitgeber muss trotz Rentenversicherungsfreiheit den normalen Arbeitgeberanteil bezahlen
  • Arbeitnehmer, die die Regelaltersrente erhalten und somit in der Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei sind à Der Arbeitgeber muss trotzdem den normalerweise für ihn anfallenden Beitrag leisten

Bei den Beiträgen zur Sozialversicherung müssen die Beitragsbemessungsgrenzen berücksichtigt werden. Die Beitragsbemessungsgrenzen sind die Höchstbeträge des Arbeitsentgeltes, welche zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge herangezogen werden dürfen. Sie werden jährlich angepasst.

Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherung für das Jahr 2014

 

Kranken- und Pflegeversicherung

Renten- und Arbeitslosenversicherung

 

Monatlich

Jährlich

Monatlich

jährlich

Alte Bundesländer (west)

€ 4.050,00

€ 48.600,00

€ 5.950,00

€ 71.400,00

Neue Bundesländer (Ost)

€ 4.050,00

€ 48.600,00

€ 5000,00

€ 60.000,00

 Der Arbeitgeber muss also nicht nur das Arbeitsentgelt des Arbeitnehmers zahlen, sondern hat allein schon für die Sozialversicherung diverse Abgaben zu leisten. Und damit fangen die Lohnnebenkosten für Vorsorgeeinrichtungen erst an. Es zählen auch die Zuschüsse zu den privaten Krankenversicherungen, Pflegeversicherungen und gegebenenfalls Rentenversicherungen dazu.

Auch an die folgenden Vorsorgeeinrichtungen müssen Arbeitgeber Aufwendungen entrichten. Diese Aufwendungen werden somit gleichfalls zu den Lohnnebenkosten gezählt.

Bei der so genannten Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabe handelt es sich um eine Ausgleichzahlung, die Arbeitgeber leisten müssen, wenn sie nicht die im Gesetz vorgeschriebene Zahl von Schwerbehinderten beschäftigen. Die Abgabe ist an das jeweilige Integrationsamt zu leisten. Gemäß § 71 SGB lX müssen Arbeitgeber auf mindestens 5 % der Arbeitsplätze Schwerbehinderte beschäftigen, wenn sie im Jahr durchschnittlich 20 Arbeitnehmer beschäftigen.

Als Arbeitgeber muss man einen Beitrag zur Berufsgenossenschaft, als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung (GUV), leisten. Gemäß § 14 Abs. 1 SGB VII sind die Berufsgenossenschaften somit für die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zuständig. Ist jedoch ein Arbeits- oder Wegeunfall eingetreten, muss die Berufsgenossenschaft mit geeigneten Mitteln dafür sorgen, dass der Gesundheitsschaden beseitigt wird und Folgen gemildert werden (§ 26 Abs. 1 SGB Vll). Die Beiträge sind abhängig von den Gefahrklassen / Strukturschlüsseln, die für einen Betrieb gelten.

Die Umlageverfahren U1 und U2 sind Entgeltfortzahlungsversicherungen und im Aufwendungsausgleichsgesetz geregelt. Der Arbeitgeber muss einen bestimmten individuellen Beitrag an die Krankenversicherung zahlen, um im Falle von Krankheit bzw. Mutterschaft eines Arbeitnehmers das fortgezahlte Entgelt ganz oder teilweise erstattet zu bekommen. Die Höhe der Umlagesätze wird individuell von den Krankenkassen festgelegt.

Alle Arbeitgeber mit einer Arbeitnehmeranzahl von unter 30 Vollzeitbeschäftigten sind verpflichtet am Umlageverfahren U1 teilzunehmen. Sie bekommen im Krankheitsfall eines Arbeitnehmers einen bestimmten Prozentsatz der Entgeltfortzahlung erstattet. In keinem Fall jedoch die vollen 100 %.

Ins Umlageverfahren U2 hingegen muss jeder Arbeitgeber einzahlen und versichert sich somit gegen die Aufwendungen für Mutterschaftsleistungen. Es werden die vollen 100 % der geleisteten Aufwendungen erstattet.

Das Insolvenzgeldumlageverfahren dient  dazu, dass Arbeitnehmer im Falle der Insolvenz des Arbeitgebers trotzdem ihr Entgelt weitergezahlt bekommen können. Umlagepflichtig sind alle Arbeitgeber. Das Insolvenzgeld wird von der Agentur für Arbeit ausgezahlt. Der von den Arbeitgebern zu zahlende Umlagesatz in 2014 beträgt 0,15%.

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