Die Spielregeln bei Mehrfachbeschäftigung – Minijob, Hauptjob, Ehrenamt & Co.

Nebenbeschäftigungen – Spielregeln bei mehreren Jobs

Mehrere Jobs? Gar nicht so selten. In den letzten Jahren hat die so genannte Mehrfachbeschäftigung stark zugenommen. Im Jahr 2004 hatten etwa 1,5 Millionen Arbeitnehmer neben dem Hauptberuf einen oder mehrere Tätigkeiten, 2015 lag die Zahl der Mehrfachbeschäftigungen bei fast 3 Millionen. Laut Grundgesetz hat jeder Arbeitnehmer das Recht, sich einen Zweitjob zuzulegen, doch der Chef muss da auch mitspielen, sprich: dem Ganzen zustimmen. Unter manchen Umständen darf und kann der Chef eine Nebentätigkeit verbieten.

Definition Nebentätigkeit?

Bei einer Nebentätigkeit handelt es sich um jede Tätigkeit des Arbeitnehmers, die er neben seiner, mit dem Hauptarbeitgeber vertraglich vereinbarten Arbeit, ausübt. Eine Nebentätigkeit kann in Form

  • eines Nebenjobs bei einem anderen Arbeitgeber
  • einer selbstständigen Tätigkeit im Rahmen eines Arbeits-, Werks- oder Dienstvertrags oder
  • als unentgeltliche oder ehrenamtliche Tätigkeit

ausgeübt werden.

Ja, auch Ehrenämter fallen unter den Begriff der „Nebentätigkeit“.

Nebenjobs und die Spielregeln

Grundsätzlich ist es Arbeitnehmern gestattet, neben der Arbeitszeit einen Nebenjob anzunehmen. Es kann jedoch sein, dass im Arbeitsvertrag ein Verbot von Nebenbeschäftigungen festgelegt wurde, so dass es der Erlaubnis des Arbeitgebers bedarf. Dieser darf den Nebenjob nur aus berechtigten Gründen verweigern. Wird eine Nebentätigkeit aufgenommen, ohne dass der Arbeitgeber dies genehmigt hat, kann dies unter Umständen eine außerordentliche Kündigung nach sich ziehen.

Wann ist eine Nebentätigkeit zulässig?

In bestimmten Fällen ist eine Nebentätigkeit nicht zulässig, beispielsweise dann, wenn die Nebentätigkeit den Arbeitnehmer so fordert und in Anspruch nimmt, dass das Hauptbeschäftigungsverhältnis nicht oder nicht ausreichend erfüllt werden kann. Tritt der Arbeitnehmer mit seiner Nebentätigkeit wettbewerblich mit seinen Arbeitgeber in Konkurrenz, ist der Nebenjob ebenfalls nicht zulässig.

Übersteigen die Arbeitszeiten bei einer Mehrfachbeschäftigung zusammengerechnet, die im Arbeitszeitgesetz §3 zulässige Höchstdauer (48 Stunden wöchentlich), ist die Ausübung einer Nebentätigkeit unzulässig. Wird die Nebentätigkeit auf selbstständiger Basis ausgeführt, müssen keine täglichen oder wöchentlichen Höchstarbeitszeiten beachtet werden.

Würde der Arbeitnehmer den Nebenjob während des Urlaubs innerhalb seines Hauptjobs ausüben, und dieser Urlaub somit nicht der Erholung dienen würde, widerspricht in diesen Fällen §8 des Bundesurlaubsgesetzes (BurlG).

Ist der Arbeitnehmer krankgeschrieben und würde während der Dauer des Krankenscheins die Nebentätigkeit ausüben, ist dies ebenfalls nicht erlaubt.

Angestellte im öffentlichen Dienst müssen eine beabsichtigte Nebentätigkeit vor der Aufnahme schriftlich mitteilen. Der Arbeitgeber kann die Nebentätigkeit ablehnen oder mit gewissen Auflagen belegt, erlauben. Voraussetzung hierfür: die Nebentätigkeit beeinträchtigt nicht die berechtigten Interessen des Arbeitgebers (§3 Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst – TvöD).

Wichtig: Bevor man einen Nebenjob annimmt, besser den Arbeitgeber darüber informieren, beziehungsweise eine Genehmigung einholen. Dann ist man auf der sicheren Seite und erlebt keine böse Überraschung.

Versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung und Minijob

Geht der Arbeitnehmer einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nach, kann er nur einen Minijob mit jeweils 450 Euro monatlich Verdienst annehmen. In diesem Fall einer Mehrfachbeschäftigung wird der Minijob nicht mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet. Nimmt der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin noch einen weiteren Minijob an, wird dieser mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet und wird versicherungspflichtig, d.h. es sind Beiträge zur Renten-, Kranken und Pflegeversicherung fällig. Nur Arbeitslosenversicherungsbeiträge sind für diese Beschäftigung nicht zu zahlen. Von der Zusammenrechnung der versicherungspflichtigen Tätigkeit ist stets der zuerst angenommene Minijob ausgenommen.

Beispiel: Eine Arbeitnehmerin arbeitet bei Arbeitgeber A und verdient monatlich 2.000 Euro Brutto (versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung). Bei Arbeitgeber B tritt sie einen 450-Euro-Minijob an, bei dem sie monatlich 160 Euro erhält. Eine Zusammenrechnung mit der Hauptbeschäftigung erfolgt bei diesem Job nicht. Nun nimmt die Arbeitnehmerin einen weiteren Minijob an, bei dem sie bei Arbeitgeber C 200 Euro im Monat verdient. Dieser Job wird mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet und ist versicherungspflichtig.

Ausnahmen von dieser Regelung sind Einkünfte aus 450-Euro-Minijobs und Einkünfte, die zusätzlich zum Minijob aus Zivildienst, Wehrdienst, aufgrund von Arbeitslosigkeit oder während der Elternzeit bezogen werden. In diesen Fällen werden die Minijob-Regelungen angewandt, sofern das Arbeitsentgelt aus allen Minijobs nicht mehr als die 450 Euro beträgt.

Ist eine Mehrfachbeschäftigung durch mehrere Minijobs möglich?

Ein Arbeitnehmer, der keiner versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nachgeht, kann im Prinzip mehrere Minijobs bei verschiedenen Arbeitgebern annehmen. Dabei sind die Arbeitsentgelte der einzelnen Beschäftigungen zusammenzurechnen. Generell werden Arbeitsentgelte aus kurzfristigen Beschäftigungen nicht berücksichtigt. Ergibt sich aus der Zusammenrechnung der verschiedenen Minijobs ein Wert von über 450 Euro monatlich, handelt es sich um versicherungspflichtige Tätigkeiten, die der zuständigen Krankenkasse gemeldet werden müssen.

Beispiel:

Seit dem 1. Januar ist Herr Müller bei Arbeitgeber A beschäftigt und verdient 400 Euro im Monat. Am 1. Februar nimmt er einen weiteren Minijob bei Arbeitgeber B an und verdient 300 Euro im Monat.

Im Januar handelt es sich um einen Minijob, da der Monatsverdienst die 450-Euro-Grenze nicht übersteigt. Ab Februar ist Herr Müller sozialversicherungspflichtig, da die 450-Euro-Grenze durch die beiden Minijobs überschritten wird.

Dabei ist zu beachten, dass die Feststellung von Mehrfachbeschäftigungen, ob ein Arbeitnehmer weitere Beschäftigungen hat, beim Arbeitgeber liegt. Hierzu ist eine schriftliche Erklärung des Arbeitnehmers notwendig, mit der Angabe, ob noch weitere Beschäftigungen vorliegen. Zudem muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber bestätigen, dass er ihn informiert, sobald er im Begriff ist, weitere Beschäftigungen aufzunehmen. Die Erklärung und die Bestätigung sind zu den Entgeltunterlagen zuzufügen.

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