Rentner und der Minijob – Was ist zu beachten?

Rentner und der Minijob

InBeRe - Institut für Betriebswirtschaft und Rentenberatung

Die Regelungen des Minijobs sind allgemein bekannt. Ist es doch (im Grundsatz) nötig, die Monatsgrenze in Höhe von Euro 450,00 nicht zu überschreiten. Wird dieser Grundsatz verletzt, wird der Minijob zu einem Midijob mit zahlreichen Auswirkungen in der Sozialversicherung.

Bei Rentner wird es noch komplizierter. Es sind die „allgemeinen“ Regelungen für Minijobber zu beachten und darüber hinaus noch ein Sondertatbestand: die Hinzuverdienstgrenze für vorgezogene Rentenbezüge.

  1. Unterschied Regelaltersrentner und Altersrentner
  2. Hinzuverdienst für Altersrentner
  3. Organisationsmöglichkeiten 
  1. Unterschied Regelaltersrentner und Altersrentner

Regelaltersrentner können den Beginn ihrer Rente auf ihrer Renteninformation

bzw. Rentenauskunft ablesen (Anmerkung: wenn auch ein entsprechender Antrag gestellt worden ist).

Ihre Renteninformation

 

Der Beginn der „normalen“ Rente (=Regelaltersrente) ist nicht mehr das 65. Lebensjahr, sondern der Beginn der Regelaltersrente verschiebt sich je nach Geburtsjahr. Versicherte mit dem Geburtsjahr 1946 konnten noch mit 65 Jahren Rente beanspruchen, ab dem Geburtsjahr 1947 verschiebt sich der Beginn, so dass ab dem Geburtsjahr 1964 schließlich erst mit 67 Jahren eine Regelaltersrente bewilligt werden würde.

Doch viele Versicherte wünschen sich einen früheren Rentenbeginn. Dieser ist auch, unter bestimmten Voraussetzungen, möglich. Als Beispiele wäre die Altersrente für schwerbehinderte Menschen zu nennen oder die „neue“ Rente nach 45 Beitragsjahren. Diese Renten sind sog. vorgezogene Altersrenten, die nur vollständig ausgezahlt werden, wenn bestimmte Hinzuverdienstgrenzen beachtet werden.

  1. Hinzuverdienst für Altersrentner

Hinzuverdienst alt (vor 2017):

Bisher konnten alle, die eine vorgezogene Rente erhalten (z.B. Rente für langjährig Versicherte, für besonders langjährig Versicherte, für schwerbehinderte Menschen) nur € 450,00 brutto im Monat als Angestellte dazuverdienen. Die 450-Euro-Grenze durfte 2 x im Jahr überschritten werden (zum Beispiel durch Überstunden, Weihnachtsgeld etc.). Die Hinzuverdienstgrenze von € 450,00 galt auch für Selbstständige (Gewinn als Grundlage).

 

Wurde diese Grenze überschritten (auch nur um € 1,00), so wurde die Rente für diesen Monat um mindestens ein Drittel gekürzt. Je nach Höhe der Überschreitung konnte die Rente schließlich ganz “ausfallen”, da jeweils bei Überschreitung der nächsten Grenze mehr gekürzt wurde. Hierbei handelte es sich um Mindesthinzuverdienstgrenzen. Verdienten Sie aber mehr als der „Durchschnitt“ (für 2016 wären das € 36.267,00/Jahr) erhöhten sich die Hinzuverdienstgrenzen = schauen Sie hierzu einmal in Ihren Rentenbescheid. In den meisten Fällen hat die Deutsche Rentenversicherung diese für Sie geltenden Hinzuverdienstgrenzen aufgeführt. Gerechnet wurden die individuellen Grenzen, in dem die monatliche Bezugsgröße mit Ihren Entgeltpunkten aus den letzten drei Jahren vor Rentenbeginn multipliziert wird, das Produkt hieraus wiederum mit einem Faktor entsprechend der anteiligen Rente.

 

Hinzuverdienst ab dem 01.07.2017 neu:

Der grundsätzliche Freibetrag in Höhe von € 450,00 im Monat wird beibehalten, daneben auch die bis 2016 geltende Überschreitungsmöglichkeit von 2 x im Jahr (insgesamt € 900). Insgesamt bedeutet dies, dass man € 6.300,00 im Jahr hinzuverdienen kann, ohne dass eine Berechnung oder gar eine Anrechnung auf die (vorgezogene) Rente erfolgt.

 

Es gilt also ab 2017 eine Jahresbetrachtung, die monatliche starre Grenze von € 450/Monat fällt weg. Wird die Jahres-Höchstgrenze von € 6.300,00 überschritten, muss gerechnet werden. Alle Verdienste, die über dem Jahresbetrag von € 6.300,00 liegen, werden mit 40 % auf die Rente angerechnet. Die 40-%-Regelung gilt bis zur individuellen Höchstgrenze. Die individuelle Höchstgrenze ist das vorherige Bruttogehalt (Bruttogehalt eines Kalenderjahr mit dem höchsten Einkommen zählt – max. wird bis zu 15 Jahren rückwärts geschaut). Wird mit dem Hinzuverdienst die individuelle Höchstgrenze überschritten, so entfällt die Rentenzahlung.

 

Diese Höchstgrenzen werden nicht nur für alle vorgezogenen Altersrenten gelten, sondern auch für Erwerbsminderungsrenten. Ebenfalls fallen die Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern zum Juli 2017 weg. Beim Hinzuverdienst ist allerdings zu beachten, dass das “Restleistungsvermögen” im Sinne der Arbeitszeit nicht überschritten wird. Erhalten Sie eine teilweise Erwerbsminderungsrente sind andere Hinzuverdienstgrenzen zu beachten. Die Grenze liegt bei 81 % des höchsten Bruttoentgeltes, rückwirkende Betrachtung bis 15 Jahren, aus Ihrem Versicherungsverlauf. Mindestens liegt die Hinzuverdienstgrenze bei 81 % des allgemeinen Durchschnittsverdienstes. Für das Jahr 2017 sind dies 15.026,72 Euro. Verdienen Sie mehr (beim Bezug einer teilweisen Erwerbsminderungsrente) so wird wieder der Mehrverdienst zu 40 % auf die Rente angerechnet.

 

Beispiel:

Sie verdienen neben Ihrer vorgezogenen Rente im Kalenderjahr € 18.000 dazu. Von den € 18.000 wird die allgemeine Jahreshöchstgrenze von € 6.300 abgezogen, es verbleiben als Berechnungsgrundlage € 11.700. Von den verbleibenen € 11.700 werden 40 % von der Rentenzahlung abzogen. 40 % von € 11.700 sind € 4.680. Erhalten Sie eine Rente von zum Beispiel € 1.200,00 im Monat, so werden monatlich € 390 abgezogen (€ 4.680 : 12 Monate = € 390).

 

Praxis:

Als (vorgezogener) Rentner mit Hinzuverdienst müssen Sie, falls eine Überschreitung der € 6.300 vorgesehen ist, der Deutschen Rentenversicherung eine Prognose des wahrscheinlich zu erwartenen Hinzuverdienstes melden. Hierauf wird die Deutsche Rentenversicherung einen Bescheid erlassen mit dem Inhalt der Berechnung und der Anrechnung auf die Rente. Nach Ablauf des Kalenderjahres wird es in vielen Fällen nötig sein, Korrekturen der Deutschen Rentenversicherung über den tatsächlichen Hinzuverdienst zu melden. Im Ergebnis würde ein neuer Bescheid der Rentenversicherung eintreffen mit einer Verrechnung bzw. Abrechnung/Korrektur und möglicherweise mit einer Forderung oder Nachzahlung von Rentenbeiträgen. Korrekturzeiten sind jeweils der Juli bzw. der Januar des Folgejahres.

 

Die individuellen Hinzuverdienstgrenzen können ggf. bei den Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung abgefragt werden. Optimierungsberechnungen erhalten Rentner oder auch Arbeitgeber von unabhängigen Rentenberatern (www.Rentenberater.de).

  1. Organisationsmöglichkeiten

Handelt es sich um einen Mitarbeiter, der eine vorgezogene Altersrente erhält, wären gesonderte Vereinbarungen bzw. Aufzeichnungen ratsam.

  • Vereinbarung eines monatlichen Arbeitsentgeltes bis max. Euro 450,00 ohne Möglichkeit von Mehrarbeit, sonstigen Vergütungen. bzw. die neue Jahresgrenze ohne Möglichkeit von Mehrarbeit, sonstigen Vergütungen.
  • Sofern dem Mitarbeiter auch Sonderzahlungen zustehen (z.B. Weihnachtsgeld) darf die Summe der laufenden und einmaligen Zuwendungen aus der Beschäftigung den Jahreswert von Euro 5.400 nicht übersteigen.
  • Auszahlungen von mehr als Euro 450,00/Monat (z.B. aufgrund von Überstunden) dürfen max. Euro 900,00/Monat betragen und auch nur an zwei Monaten im Kalenderjahr. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Vereinbarungen über vereinbarte Sonderzahlungen aus z.B. Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld etc., auf die zwei Monate angerechnet werden.
  • Bei schwankenden Bezügen kann die Vereinbarung eines monatlich gleichbleibenden Arbeitsentgelts gegen Führung eines Arbeitszeitkontos hilfreich sein.

 

Dieser Gastbeitrag wurde von Frau Petra Schewe erstellt. Als Dipl.-Betriebsw. und Rentenberaterin, mit mehr als 25 Jahren praktische Tätigkeiten im Personalmanagement, Lohn und Gehalt, Sozialversicherungsrecht (z.B. Renten-, Krankenversicherung, Statusverfahren) ist Frau Petra Schewe aktuell in der  Beratung, als Dozentin und Autorin tätig.

Quelle des Textes: von Petra Schewe

Stand: Januar 2017

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