Sachzuwendung oder Gehaltserhöhung?

Wenn ein Arbeitgeber sich entschließt, seinem Mitarbeiter seinen Dank, sein Lob, seine Anerkennung auszudrücken, kommt zu irgendeinem Zeitpunkt die Frage auf: WIE?

Die gängigste Antwort auf diese Frage: Eine Gehaltserhöhung

Eine Gehaltserhöhung beschert dem Arbeitnehmer einen kontinuierlich zur Verfügung stehenden Betrag, mit dem er kalkulieren und seinen Lebensstandard verbessern kann. Allerdings ist es aus psychologischer Sicht für den Unternehmer eher nicht ratsam diese Variante zu wählen, da der Effekt der “Belohnung” mit der Zeit schwindet und der Arbeitnehmer die laufende Zahlung als selbstverständlich ansehen wird. 


Empfehlung:

Eine Gehaltserhöhung wird dem Mitarbeiter am meisten Nutzen bringen, der im unteren Einkommensbereich liegt, da hier die Steuerprogression noch erträglich ist. Der Arbeitgeber ist gut beraten, wenn er vor tatsächlicher Zahlung einer Gehaltserhöhung eine Testabrechnung durchführen lässt, um zu sehen, wie viel Euro netto sein Arbeitnehmer tatsächlich nach der Gehaltserhöhung ausgezahlt bekommt. Denn im unglücklichsten Fall “fressen” Steuern und Sozialversicherungsbeiträge einen nennenswerten Betrag auf und der Arbeitnehmer hat kaum etwas von der guten Tat seines Chefs.

Darüberhinaus muss der Arbeitgeber bei seiner zukünftigen Mittelplanung berücksichtigen, dass er ebenfalls auf diese Gehaltserhöhung seinen Anteil der Sozialversicherungsbeiträge zahlen muss. Wird Weihnachtsgeld oder eine sonstige Gratifikation mit Basis des monatlichen Bruttoeinkommens gezahlt, ist nochmals der höhere Anteil zur Sozialversicherung auf das erhöhte Brutto zu berücksichtigen.

Eine andere Möglichkeit, aber nicht die zweite Wahl: Sachzuwendungen

Sachzuwendungen können in unglaublicher Vielfalt erteilt werden. Von Blumensträußen über Kurzurlaube, von Privatnutzung des Firmenwagens über Einladung zu Eventveranstaltungen, von Übernahme der täglichen Verpflegung über Schmuckgeschenke geht die Palette. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Allerdings dürfen auch hier nicht der Fiskus und die Sozialversicherungsträger vergessen werden!
Sachzuwendungen sind ab einem bestimmten Betrag pro Kalenderjahr (in Abhängigkeit der Sachzuwendung ca. 44 €) als geldwerter Vorteil bei der Gehaltsabrechnung des Arbeitnehmers zu versteuern und mit Sozialversicherungsbeiträgen zu belegen.

Beispiel:
Ein Arbeitgeber schenkt seinem Arbeitnehmer einen Blumenstrauß für besondere Dienste im Wert von 50€. Dieser Betrag übersteigt die Bagatellgrenze von 44€ und muss vom Arbeitnehmer als geldwerter Vorteil versteuert werden. Das heißt, seinem “normalen” Steuerbrutto werden 50€ hinzugerechnet. Der Arbeitnehmer zahlt nun auf das höhere Steuerbrutto seine Lohnsteuer, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag. Genauso seine Sozialversicherungsbeiträge.

Rechtsgrundlage und Berechnungsvorgang ergeben sich aus dem Einkommenssteuergesetz (ESTG) und der Sozialversicherungsentgeltordnung.

Fazit:

Der Anerkennungseffekt kann je nach Persönlichkeit des Arbeitnehmers unterschiedlich sein, aber als grobe Richtung für Arbeitgeber gilt: Monatliche Gehaltserhöhungen bis etwa 50€ Brutto verpuffen und sollten besser als Sachzuwendung (z.B. Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr) gewährt werden. Kann der Arbeitgeber auch als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen.
Höhere Gehaltserhöhungen als 50€ bringen unter dem Strich für den Arbeitnehmer nur Vorteile, denn er erwirbt mit dem höheren Sozialversicherungsbrutto natürlich auch höhere Rentenanwartschaften.

Dieser Fachbeitrag wurde vom Lexikon für Rechnungswesen und Buchführung zur Verfügung gestellt.

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