Saisonarbeiter – Regeln zur Sozialversicherung

Saisonarbeiter – Regeln zur Sozialversicherung

Erdbeerpflücker, Spargelstecher – sie sind für landwirtschaftliche Betriebe jedes Jahr von großer Wichtigkeit. Zur Spargel- und Erdbeerzeit werden in Deutschland unzählige Saisonarbeiter beschäftigt, die die Unternehmen tatkräftig unterstützen.

Sozialversicherungsrechtlich gibt es einiges zu beachten.

Grundsätzlich gelten für Erntehelfer die gleichen versicherungspflichtigen Voraussetzungen wie für andere Arbeitnehmer. Die Beschäftigung als Saisonarbeiter / Erntehelfer führt in der Regel wie andere Beschäftigungen auch zu einer Versicherungspflicht innerhalb der einzelnen Sozialversicherungszweige. In punkto Unfallversicherung sind für Erntehelfer ebenfalls keine Besonderheiten zu berücksichtigen, hier gelten die gleichen Vorschriften wie bei allen anderen Zweigen.

Saisonarbeiter und kurzfristige Beschäftigung

Wird der Saisonarbeiter im Rahmen einer kurzfristigen Beschäftigung beschäftigt, ist dieses Beschäftigungsverhältnis beitrags- und versicherungsfrei.

Als kurzfristige Beschäftigung werden Beschäftigungsverhältnisse bezeichnet, bei denen der Arbeitnehmer an fünf Arbeitstagen in der Woche nicht länger als insgesamt drei Monate eingesetzt wird. Ist der Arbeitnehmer keine fünf Arbeitstage in der Woche beschäftigt, muss auf den Zeitraum von 70 Arbeitstagen abgestellt werden. Wichtig bei der kurzfristigen Beschäftigung ist zudem, dass sie nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Das heißt, diese Tätigkeit darf nicht allein für die Sicherung des Lebensunterhalts dienen.

Korrekter Nachweis der Prüfung der Berufsmäßigkeit

Die Berufsmäßigkeit ist anhand von Indizien zu prüfen. Wird die kurzfristige Beschäftigung von einer erwerbslosen Person ausgeübt, ist dies generell als berufsmäßig anzusehen. Vorherige Beschäftigungen werden bei der Prüfung der kurzfristigen Beschäftigung auf das aktuelle Beschäftigungsverhältnis angerechnet.

Vorbeschäftigungen sollten bereits vor der Aufnahme der Beschäftigung erfragt und dokumentiert werden – so kann man Nachforderungen ausschließen. Erfragt werden kann dies mit einem Einstellungsfragebogen, der im Vorfeld dem Arbeitnehmer vorgelegt wird. Es ist sinnvoll, entsprechende Nachweise von vorherigen Beschäftigungsverhältnissen den Entgeltunterlagen beizufügen.

Saisonarbeiter aus dem Ausland mit Hauptbeschäftigung

Es kommt häufig vor, dass Erntehelfer aus den EU-Mitgliedsstaaten, vor allem Rumänien und Polen, eingesetzt werden. Bei diesen Personen muss im Vorfeld geprüft werden, ob sie in ihrem Heimatland einer Beschäftigung nachgehen oder eine selbstständige Tätigkeit ausüben. Liegen diese beiden Punkte nicht vor, gelten für die Erntehelfer die deutschen Rechtsvorschriften.

Geht die Person dagegen in ihrem Heimatland einer Beschäftigung nach oder sie ist selbstständig, müssen während der Beschäftigung die Rechtsvorschriften des Heimatlandes angewandt werden. In diesen Fällen muss der Erntehelfer die Bescheinigung „A1“ vorlegen.

Die Bescheinigung „A1“ weist dem ausländischen Arbeitnehmer nach, dass für ihn die Rechtsvorschriften des Staates gelten, in dem er seine Hauptbeschäftigung ausübt und somit die deutschen Vorschriften für ihn nicht relevant sind. Es ist vollkommen ausreichend, wenn der Arbeitgeber eine Kopie dieser Bescheinigung in die Entgeltunterlagen nimmt.

Auf Arbeitgeber, die Erntehelfer mit der Bescheinigung „A1“ beschäftigen, kommen keine sozialversicherungsrechtlichen Pflichten zu. Jedoch muss der Arbeitgeber in Deutschland Sozialversicherungsbeiträge entrichten, die sich an den Rechtsvorschriften des Heimatlandes des Erntehelfers orientieren.

Saisonarbeiter und Mindestlohn

Im Rahmen einer Betriebsprüfung durch den Träger der Rentenversicherung wird auch für Saisonarbeiter die Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestlohns geprüft. Das Mindestlohngesetz verpflichtet die Arbeitgeber, Unterlagen über die Arbeitsleistung in den Entgeltunterlagen zu führen. Der Arbeitgeber muss hierzu den Beginn, das Ende und auch die Dauer der täglichen Arbeit eintragen. Liegt dieser Nachweis nicht vor, ist der Rentenversicherungsträger berechtigt, nicht gezahlte Beiträge nachzufordern.

Ausländische Flüchtlinge als Saisonarbeiter?

Ob ausländische Flüchtlinge als Saisonarbeitnehmer eingesetzt werden können, ist von deren Aufenthaltsstatus abhängig. Möchten ausländische Flüchtlinge arbeiten, benötigen sie in der Regel eine Genehmigung der Ausländerbehörde und gegebenenfalls eine Zustimmung durch die Agentur für Arbeit. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, können auch geflüchtete Menschen als Erntehelfer beschäftigt werden. Für sie gelten grundsätzlich die versicherungsrechtlichen Vorschriften wie bei den anderen Arbeitnehmern.

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